Zur Neuausgabe des »Sonnenstern«

Liebe Leser und Freunde des »Sonnenstern«,

Nachdem die Hardcover-Ausgabe des »Sonnenstern« vergriffen war, erhielt ich immer wieder Anfragen von Lesern, ob denn mit einer Neuauflage zu rechnen sei oder ob ich vielleicht noch Exemplare zu verkaufen hätte. Wie ich hörte, wurde der »Sonnenstern« in Internet-Antiquariaten schon für weit über hundert Euro gehandelt. Umso mehr freut es mich, dass der »Sonnenstern« jetzt in einer neuen Ausgabe in einem neuen Verlag (Schirner Verlag Darmstadt) als erschwingliches Taschenbuch erschienen ist. Doch auf den ersten Blick scheint da ein »anderer Sonnenstern« auf den Markt gekommen ­ statt den knapp tausend Seiten der Erstauflage hat das Taschenbuch nur mehr 800. Wurde der Text wirklich um knapp ein Fünftel des Umfanges gekürzt, Inhalt und Geist des Buches vielleicht sogar verändert. Ist die Neuauflage etwa ein "Sonnenstern light"? Mitnichten!
Ein Großteil der Seiten konnte eingespart werden durch eine kleinere und enger laufende Schrift. Außerdem entfielen die Leerseiten, die es in der Hardcover-Ausgabe an vielen Kapitelschlüssen gibt.
Und ich habe mir den Text des »Sonnenstern« für die Neuauflage noch einmal gründlich vorgenommen und entschlackt. Ich habe begonnen, zu schleifen und zu polieren, um Überflüssiges zu entfernen und Wichtiges schärfer herauszuarbeiten. Manche Szenendetails konnte ich erst jetzt deutlich sehen und ausarbeiten. An einigen Stellen kam deswegen auch neuer Text dazu. Die Kürzungen, die ich vorgenommen habe, betrafen ausschließlich Äußerlichkeiten, allzu umfangreiche Dialoge etwa, Unnötiges und Wiederholungen, oder Dinge, die nicht eigens ausgesprochen werden müssen, weil sie sich von selbst aus der Handlung ergeben.
Die Kürzungen haben nie die Essenz des »Sonnenstern« berührt, nicht die Handlung, nicht die erzählerische Architektur der Geschichte mit ihren diversen, ineinander verschlungenen Handlungssträngen, nicht die dem Roman zugrunde liegende Geistigkeit. Es ist für einen Autoren stets kritisch, sich erneut einem Werk zuzuwenden, das vor Jahren abgeschlossen wurde. Es besteht die Gefahr, dass er sein Buch am liebsten ganz neu schreiben möchte. Im Falle des »Sonnenstern« war das nicht so. Die Welt Atlans war mir vertraut, als hätte ich sie gestern erst verlassen und die ineinander verwobenen Erzählstränge, welche die Personen der Handlung über viele Lebenszeiten hinweg verbinden, schienen mir auch nach Jahren stringent und blieben unangetastet.
So ist diese Neuausgabe des »Sonnenstern« die gültige und verbindliche, die, so hoffe ich, auch viele neue Leser finden wird.

Mit herzlichen Grüßen

Franz Binder

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