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Auf den ersten Blick ist Der Sonnenstern ein ungeheuer spannend
und unterhaltsam geschriebener Fantasy-Roman, der es mit den großen
Vorbildern seiner Gattung mühelos aufnehmen kann. Mit kunstvoll
gespannten Erzählbögen zeichnet er die archetypische Geschichte
des Kampfes zwischen Dunkel und Licht, Werden und Vergehen, Liebe
und Haß, indem er seine Protagonisten durch die letzten Tage des
mythischen Kontinents Atlan begleitet.
Doch während der Leser die komplexe Entwicklungsgeschichte der
Hauptfiguren atemlos verfolgt, erschließen sich ihm unvermutete
Dimensionen, die den üblichen Rahmen des Genres weit überschreiten:
Mit spielerischer Leichtigkeit breitet der Autor vor seinem erstaunten
Leser eine Fülle philosophisch-spiritueller Einsichten aus, die
nicht nur von tief verinnerlichten Kenntnissen der »philosophia
perennis« zeugen, sondern vor allem von der seltenen Fähigkeit,
diese Kenntnisse erzählerisch fruchtbar werden zu lassen.
Am Ende des knapp tausend Seiten starken Werks bleibt man mit
gemischten Gefühlen zurück: Zum einen mit jener seltenen Art zufriedener
Beglückung, wie man sie ähnlich auch nach einem ausgefallen guten
Essen empfinden kann; zum anderen mit der beunruhigenden Ahnung,
daß hier mehr erzählt wurde als eine opulente, phantastische Geschichte,
daß man hier angesprochen war bis in die verborgensten Winkel
des Selbst und daß die Verwicklungen des Romans womöglich die
Abenteuerfahrt der eigenen Seele beschreiben.
Florian Goldberg

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