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Wer nach Höhepunkten islamischer Kunst und Kultur sucht, denkt
an die filigranen Schöpfungen persischer Meister, an die Moscheen
Nordafrikas, die seldschukischen und osmanischen Bauwerke der
Türkei, die maurischen Hinterlassenschaften in Spanien oder die
Prachtentfaltung der Mogulherrscher Nordindiens. In vielen Ländern
haben islamisch geprägte Hochkulturen Kunst und Kunsthandwerk
von höchstem Rang hinterlassen. Doch es ist allgemein kaum bekannt,
daß die endlosen Steppen und Wüsten Mittelasiens, die Gebiete
östlich des Iran, nördlich Afghanistans und westlich Chinas, die
nach dem Zerfall der Sowjetunion zu selbständigen Staaten wurden,
Kernländer der islamischen Welt sind.
Die geschichtsträchtige Region entland der Seidenstraße, an einem
Berührungspunkt der östlichen und westlichen Welt, von Herrschern
und Eroberern aus allen Himmelsrichtungen umkämpft, brachte im
Lauf der Jahrtausende viele Hochkulturen hervor; der über 1200
Jahre währende Einfluß des Islam aber prägte Mittelasien bis zur
Gegenwart. Kriegsherren wie Dareios, Alexander der Große, Dschingis
Khan und Tamerlan haben hier Geschichte geschrieben, doch auch
berühmte Dichter, Künstler, Philosophen und Wissenschaftler haben
in den blühenden Städten des alten Turkestan gelebt und gewirkt.
Zerrissen von blutigen Kriegen, überrannt von den Steppenvölkern
Zentral-asiens, von Turkstämmen, Hunnen und Mongolen, erobert
von fremden Herren, von Griechen, Persern, Arabern, Chinesen,
immer wieder aufblühend in einer neuen goldenen Epoche und immer
wieder grausam zerstört, ist Mittelasien einer der interessantesten
Landstriche der Welt, die Wiege vieler Völker, Schmelztigel der
Rassen, Religionen und Künste. Der Hellenismus hat hier seine
Spuren hinterlassen, die iranischen Feueranbeter, buddhistische
Mönche, die Horden der Mongolen, die Baumeister Persiens, türkischer
Geist und chinesische Kultur. Viel Unersetzliches wurde für immer
zerstört, die Errungenschaften ganzer Epochen bis auf wenige Reste
ausgelöscht.
In drei Städten haben sich die Zeugnisse islamischer Hochkultur
am besten bewahrt in Samarkand, einer der ältesten Städte der
Welt, in der "heiligen Stadt" Buchara und in Chiwa, das noch heute
anmutet wie eine Kulisse aus Tausendundeiner Nacht. Bauwerke finden
sich dort, die zu den schönsten und eindrucksvollsten der islamischen
Welt zählen, prächtige Fayencearbeiten und viele andere Zeugnisse
einer im höchsten Maß entwickelten Kunst, Kultur und Wissenschaft.
Das Buch gibt Einblick in die Kunstschätze Mittelasiens und in
die wechsel-volle Geschichte seiner Völker von den Anfängen bis
zur Gegenwart. In Wort und Bild erwachen Landschaft, Geschichte,
Kultur und Menschen dieser faszinierenden Region an der Seidenstraße
zum Leben.
Dieser Band ist vergriffen.
2004 erschien neu: MITTELASIEN - TOR ZWISCHEN ZWEI WELTEN |